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Die Seite zum Mitmachen für alle Freunde der grossen Bäume

Streuobst, Bungert, Boomgarden, Verger traditionel, Obstgarten, Bommgarte, Hoschtet, traditional orchard - all diesen Begriffen in verschiedenen Sprachen ist eines gemeinsam :
Der Hochstammobstbaum!

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Obstgärten

Die Begriffe Bungert, Streuobstwiese, Baumgarten, Hoschtet, Hochstammgarten, Boomgarden bezeichnen Wiesen auf denen Hochstammobstbäume in Gruppen oder Reihen vorhanden sind. Die Grösse solcher zusammenhängender Obstgärten kann erheblich variieren, bedingt durch verfügbare Fläche, Pflanzabstände, Topographie. Ob dies nun ein kleiner Selbstversorgergarten von 20 Bäumen -, oder eine sehr grosse Streuobstwiese mit 600 Bäumen ist, allen gemeinsam ist nebst dem Obstertrag auch die Bedeutung als Oekosystem.Obstgärten

Je grösser das Areal desto wertvoller der ökologische Nutzen als Lebensraum. Je mehr Bäume pro Fläche, desto höhere Erträge sind zu erwarten so dass ab einer gewissen Anzahl Bäume auch von einem finanziellen Ertrag ausgegangen werden kann. Die Kombination von Biotopfunktion, Lebensraum, Landschaftselement UND landwirtschaftlicher Produktion ist im Agrarbereich absolut einmalig und verdient grösste Beachtung und Unterstützung .

Zusammensetzung traditioneller Obstgärten:

Heute sind in Obstgärten hauptsächlich Apfelbäume anzutreffen, (dies war nicht überall immer so, besonders in der Ostschweiz, auch in Teilen Österreichs wurden um 1900 hauptsächlich noch Mostbirnen angebaut) – dabei wurde ursprünglich auf eine grosse Vielfalt geachtet um eine Dauerversorgung vom Sommer bis Winter sicherzustellen. Apfelbäume können weit über hundert Jahre alt werden, in der Alterserwartung werden sie noch von den Birnen übertroffen.

Birnen sind aufgrund älterer Bestände noch an zweiter Stelle anzutreffen. Es ist ein sehr starker Rückgang an traditionellen Mostsorten festzustellen, begründet einerseits durch Feuerbrandbefall sowie in den schlechten Preisen für Mostbirnen. Tafelbirnen ab Hochstammbäumen sind in der Schweiz meist nur noch in älteren Beständen anzutreffen.

Generell fehlt in diesem Bereich das Wissen um geeignete Sorten! Birnbäume können sehr alt werden, sie wurzeln tief und sind fest verankert. Sie streben pyramidal in die Höhe, nur selten zeigen einige wenige Sorten die Neigung zu Rundkronen, und manche trauerweidenartig hängenden Wuchs.

Zwetschgen sind durchwegs an dritter Stelle zu vermerken, erfreulicherweise werden diese bei Neupflanzungen doch immer wieder berücksichtigt. Wegen der teilweise herrschenden Feuerbrandhysterie beim Kernobst hat Steinobst einen gewissen Aufschwung zu verzeichnen.

Die Tendenz dass kleinfruchtige Sorten verschwinden hat leider auch vor dieser Früchtegruppe nicht Halt gemacht. Traditionell vorhandene Sorten werden oft durch nicht immer überzeugende Neuzüchtungen ersetzt. Zwetschgenbäume werden niemals so gross wie Apfelbäume, die Pflanzabstände können also  geringer gehalten werden.

Seit wenigen Jahren erst tritt in Mitteleuropa bei Zwetschgen - und Pflaumenbäumen ein neues ernstzunehmendes Problem auf : ein Vertreter der Pseudomonas Bakterien hat sich auf diese Bäume spezialisiert und kann innerhalb kurzer Zeit ganze Bäume zum Absterben bringen. Gut erkennbar sind befallene Bäume duch grosses partielles Absterben der Krone, Blätter werden hellbraun, orangeviolette Verfärbungen im Stammbereich.

Kirschbäume spielen je nach Lage und Markt eine grössere oder kleinere Rolle. Zur Selbstversorgung reichen einer oder zwei Bäume schon aus, aber es gibt auch Regionen mit Obstgärten die hauptsächlich aus Kirschbäumen bestehen.

Der Sortenschwund in dieser Gruppe ist ebenfalls enorm, es wäre sehr wichtig festzuhalten welche Sorten robust und pflegeleicht sind. Der Markt wird von grossfruchtigen Neuheiten überschwemmt die unter Plastik reifen, kaum eine dieser Sorten eignet sich aufgrund der geringen Platzfestigkeit für den Feldobstbau !

Pflaumenbäume sind meist nur in Einzelexemplaren zu finden. Dabei gäbe es auch hier eine ungeahnte Sortenfülle zu verzeichnen – leider ist der Rückgang in dieser Gruppe extrem hoch, es werden von Baumschulen nur wenige Sorten vermehrt.

Pflaumenbäume sind die eigenwilligsten Bäume in einem Obstgarten – alte Exemplare zeigen knorrigen verdrehten Wuchs. Sie lieben schwere feuchte Böden und sind wahre Überlebenskünstler. Selten reagieren sie auf Schnitt so wie es sich der Obstbauer wünscht, es können ganze Baumteile absterben und gleichzeitig bilden sich an anderer Stelle meterlange Jungtriebe mit dem Bestreben eine neue Krone aufzubauen. Wer in eine Pflaumenbaumkrone steigt wird gekratzt und geschlagen gerne wieder auf den Boden zurückkommen - Pflaumen haben sich die Wildheit ihrer dornenbewehrten Ahnen bewahrt.

Der starke Duft ihrer kleinen Blüten zieht massenweise Insekten an – genauso wie die süssen reifenden Früchte. Man wird bei der Ernte immer teilen müssen , aber es bleibt infolge der sprichwörtlichen Fruchtbarkeit dieser Bäume genug für Alle!
 

Mirabellenbäume:

Eigentlich sollten diese süssen Früchte in keinem Obstgarten fehlen, meist kommt die Mirabelle jedoch nur in einzelnen Exemplaren vor. Trotzdem sind die Mirabellen nicht selten denn sie werden oft in Hausgärten zur Selbstversorgung gepflanzt, oder dann in engen Reihen zur industriellen Verwertung. Die Früchte der Mirabelle sind rund, klein, meist gelb mit nur wenig Rötung und leicht weisslich bereift. Es existieren auch Spielformen mit roter Haut. Weit verbreitet sind die Mirabelle de Nancy und die Mirabelle de Metz. Alle anderen namentlich bekannten Sorten haben sich kaum einmal über ihre eigentlichen Ursprungsregionen hinweg verbreiten können. Spannend ist, dass abgesehen von Neuzüchtungen (wie Miragrande etc), praktisch alle Sorten vom sogenannten Mutterstock der Mirabelle de Nancy oder seltener von der Mirabelle de Metz abstammen. Im französichen Hattonville besteht eine eindrückliche Sammlung an Mirabellen. Darin befinden sich 62 Sorten die vom Mutterstock der Nancy abstammen und 18 Sorten die von der Metz abstammen - dies ist sehr bemerkenswert !

Mirabellenbäume sind ähnlich den Pflaumenbäumen nicht immer einfach zu formen und reagieren auf Schnitt auch nicht immer wunschgemäss. Die Erträge setzen nach meist 4 Jahren  ein und sind in der Regel sehr hoch und regelmässig.

Walnussbäume

Waren in früheren Zeiten fast in jedem Obstgarten vorhanden , meist auf der Wetterseite von Gebäuden, seltener inmitten der anderen Obstbäume. Vereinzelt sind noch ältere Bestände in Gruppen vorhanden. In verschiedenen Ländern haben Walnussbäume nicht zuletzt als Alternative zu herkömmlichen Obstarten neuen Auftrieb erhalten. In Teilen der Schweiz sind mit Geldern der öffentlichen Hand teilweise riesige neue Walnussgärten angelegt worden. Ein Augenschein derselben offenbart aber oftmals schwerwiegende Mängel ; auch Walnussbäume brauchen in der Jugend Pflege. Soll der Baum gerade stehen sind mindestens zwei starke Pfähle nötig . Durch den nun grossflächigen Anbau treten vermehrt Krankheiten auf die man bis anhin an den Nussbäumen nicht kannte. Nussbäume haben einen sehr grossen Platzbedarf, nahe stehende andere Bäume werden regelrecht erdrückt.

Quitten

Sind wie die Pflaumen sehr stark in ihrem Bestand zurückgegangen. Nur noch wenige Sorten werden vermehrt. Der Grund für die fast völlige Aufgabe des Quittenanbaues ist die Hypersensibilität gegenüber Feuerbrand. Seit einigen Jahren werden resistente Sorten angeboten, es fehlen aber Langzeiterfahrungen!

Holunder

Fand sich auch ab und zu als Hochstamm. Gibt es heute fast nur noch als Begleitpflanzen in Obstgärten, besonders unter alten Birnbäumen. Wird ansonsten hauptsächlich als niederstämmige Monokultur angebaut wobei das Hauptaugenmerk nicht mehr den Beeren , sondern den Blüten gilt ( für die Getränkeindustrie). Lieferant für wertvolle Produkte, hat stark an Bedeutung verloren und sollte wieder einen Platz im Bewusstsein der Menschen finden. Zudem hat Holunder eine sehr grosse Bedeutung für Insekten , Kleintiere und Vögel.

Mispeln

Auch diese treten im Obstgarten nur noch als Begleitpflanzen auf, Bedeutung ähnlich wie Holunder, gesund durch wertvolle Inhaltsstoffe und  bedeutende Winternahrung für Kleintiere und Vögel, im Volksbewusstsein leider kaum mehr bekannt.

Feigen

In Deutschland und der Schweiz nur selten als Begleitpflanzen anzutreffen , und auch dann nur im Weinklima und in Strauchform. Anders die Situation in Frankreich und Italien wo in gewissen Regionen ein unglaubliches Sortenspektrum vorhanden ist. Es ist anzunehmen dass Varietäten existieren die auch stärkere Fröste schadlos überstehen. Entsprechende Anbauversuche sind da und dort im Gange!

Aprikosen

als Hochstämme nur in Weinbauklima angebaut sind Aprikosen in dieser Baumform aus dem Landschaftsbild komplett verschwunden. Von der einstmals vorhandenen grossen Vielfalt sind nur wenige Sorten übrig geblieben , und meist handelt es sich dabei um neuere Züchtungen die nur noch als Busch angebaut werden.

Pfirsiche

früher vereinzelt als Hochstamm vorkommend, oftmals von Obstgartenbesitzern selbst aus Steinen gezogen. Die Baumform ergab sich durch die Verkahlungstendenz der Pfirsichbäume. Auch diese Früchtegruppe ist abgesehen von geschützten Standorten im Hausgarten nur noch im niederstämmigen Intensivobstbau in wenigen Sorten vorhanden. Von der einstigen Vielfalt ist nichts mehr vorhanden.

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